Nach kurzer Nacht und leckerem Früstück im Hotel starten wir unsere zweite Etappe in Richtung Genua. Die Route führt uns zunächst ein paar Meter über die Autobahn, bevor wir diese wieder in Richtung Grimselpass verlassen.
Der Grimselpass ist noch sehr verschneit. Wir fahren teilweise an meterhohen Schneewänden links und rechts der Passstraße entlang, bevor wir den Gipfel in 2200 Meter Höhe erreichen.
Nach einem Tankstopp geht es über die Furkastraße in Richtung Simplonpass. Dieser gestaltet sich bei der Abfahrt als sehr zäh. Allerdings entdecken wir dabei im vorbeifahren sogar Touristinnen, die es wagen, sich in dieser Höhe von 2000 Meter im Bikini zu sonnen. Eine willkommene Abwechslung für unsere, durch den Fahrtwind, gestressten Augen.
Dann erreichen wir nach einer schier endlos langen engen Kurvenschlacht auf einem kraterähnlichen Straßenbelag den Lago Maggiore, wo wir uns nach getaner „Arbeit“ erstmal um 14:30 Uhr ein Mittagessen gönnen. Typisch italienisch, Insalada Mista, Pizza, Wasser und Espresso, was sonst …


Kurz noch bei den Italienischen und englichen Zicken die unnötigen Teile an der Abgasanlage entfernt und schon geht es soundtechnisch optimiert weiter in Richtung Genova. Was folgt ist eine gefühlte Endlosetappe von 230 km Autostrada … Zumindest für die Kollegen unter uns, die weder Windschutz noch Tempomat ihr Eigen nennen können, dafür der sonore Sound der offenen Endtöpfe im Ohr.

Kurzer Boxenstopp inkl. Auftanken für Mensch und Maschine, geht es auf die letzten Kilometer. In Genova fast angekommen, reihen wir uns zunächst, wie wir Deutschen es gewohnt sind, schön in der sehr zäh fließenden Verkehr ein. Die Italienischen Bikerkollegen und Rollerfahrer halten uns für verrückt und wir merken schnell, dass wir ihnen nur im Weg stehen. Daher entschließen wir uns kurzfristig den italienischen Geflogenheiten anzupassen und zwischen dem Verkehr unseren eigenen Weg zu finden. So wird der Standstreifen schnell zu unserem besten Freund, gefolgt von der eigentlich nicht existente Rettungsgasse… Damit schaffen wir quasi die Punktlandung zum Bording, 10min. vor Start sn der Moby Fähre.

Die Kollegen der Transporterfraktion sind bereits seit einer Stunde vor Ort und haben uns sozusagen die Verlade-Poleposition gesichert. Nach kurzen Austausch geht’s direkt an Bord.

Die Einweiser sind sehr lautstark zu Gange und verzurren „gefühlt“ gekonnt die Bikes an der Seitenwand der Fähre. Hier sollte man auf die Kompetenz und langjährige Erfahrung des Verladepersonals vertrauen und nicht zu genau hinschauen …
Kurzer Checkin dank Poleposition und schon gehts ab in die Zweier-Außenkabine mit Dusche. Herrlich so eine Dusche nach langer Fahrt von 591km bei gefühlten 30 Grad Außentemperatur und über 100 Grad zwischen den Beinen, wohlgemerkt, zwischen den Beinen, nicht im Schritt…
Jetzt erstmal an die Bar und die Hitze durch ein paar Kaltgetränke aus Hopfen auf ein erträgliches Niveau regulieren… Hier kommt uns die jahrelange praktische Erfahrung zu gute … es wirkt.
Aufgrund der frühen Boarding Prozedur bleibt uns ein wenig Zeit die Kaltschalen, während ein paar konstruktiven Spritgesprächen, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen bevor sich ein Teil der Gruppe entscheidet, doch etwas festere Nahrung zu sich zu nehmen. Der Rest schaut sich während dessen das Ablegen der Fähre an und genießt die milde Simmernacht, einen Tag nach Vollmond, in Genua auf dem Außendeck.
Während wir an dem bereits halb demontierten Wrack der Costa Concordia in Richtung Bastia vorbeischippern, nähert sich der zweite Tag des Abenteuers Korsika dem Ende.



